Mittwoch, 2. Juni 2010

Modische Vergangenheit

 

Jeder mistet hin und wieder aus. Ob es nun die Gefühle sind oder nur der Kleiderschrank ist. Im Prinzip beides das selbe. Man durchwühlt einmal alles von den Schuhen bis zu den Accessoires und dann entscheidet man, was man behalten will und was nicht. Was dabei zum Vorschein kommt, ist meist alles was Mann oder Frau bis dahin verdrängt hatte. Ob es nun die Sünden der 80er sind oder die Dinge, die man erst vor Kurzem vergraben hatten, egal. Man schaut sich alles noch einmal an und sieht dann ob’s passt.

Doch was wenn’s dann schließlich passt, das Teil aus den 80er? Heißt das dann, dass die so viel gesuchte Veränderung doch nicht so total war, wie man, in dem Fall ich, eigentlich gewollt hatte? Schließlich und endlich wollen wir, und ich auch, uns doch alle im Laufe unseres Lebens verändern und nicht ewig so bleiben wie wir als 13 Jährige waren. Warum sonst suchen wir fast gar vergeblich denn Sinn des Lebens und eine Möglichkeit uns mit ihm zu arrangieren? Und noch wichtiger ist aber, fallen wir dann in alte, vielleicht ungeliebte Muster zurück, wenn der alte Pulli passt? Oder ist es gar das Gegenteil? Heißt so ein altes immer noch passendes Teil vielleicht auch, dass wir uns selbst treu geblieben sind? Klar sich treu bleiben, will man auch in irgendeiner Form. Verstellen bringt uns ja am Ende auch nicht weiter. Und dabei habe ich so lange gesucht bis ich meinen Stil und mich endlich gefunden und nun soll ich merken, dass ich mich gar nicht verändert habe? Nein das kann eigentlich nicht sein. Und das ist es auch nicht!

Doch merkt man an dieser Stelle erst, was der Kleiderschrank in Wahrheit ist. Der Kleiderschrank ist wie ein Spiegel unserer Seele. Vor allem ist er ein passendes Symbol dafür. Er beherbergt alles was zu uns gehört. Angefangen von unserer Berufskleidung bis hin zu unseren Lieblingsteilen und dem, was wir eigentlich gar nicht leiden können und trotzdem zu uns gehört. Den Schrank dann schließlich auszumisten, ist als würde man seine ganze Lebensgeschichte bis jetzt noch einmal Revue passieren lassen. Und dabei sollte uns auch bewusst werden, dass wir uns gelegentlich von Dingen trennen müssen. Auch wenn’s nur der alte Lieblingspulli aus den 80er ist, der immer noch passt. Denn manchmal kann so ein Teil noch so schön sein, die Erinnerung an die Zeit noch so großartig, jedoch wenn es nicht Teil des jetzigen Lebens sein kann, muss es eben weichen. Denn wie sich auch die Mode ändert, so sollten auch wir in die Zukunft sehen, denn trennen heißt nicht vergessen. Denn das wäre zu schade! Dass es aber immer noch passt, heißt nicht dass wir uns nicht verändert haben, sondern dass es immer ein Teil von uns bleiben wird, egal wer wir jetzt sind! Es ist ein Teil der Vergangenheit, nicht mehr. Die jedoch gehört fest zu uns, wie meine Jimmy Choo’s heute zu mir!   

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